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Vogtlanddiagonale –
Per Rad über den Schneckenstein zum Aschberg

Es ist Sonntag. Bekanntlich der Tag an dem man ruhen sollte. Doch schon lange hatte ich mir die Tour zum Aschberg vorgenommen. Nicht zu Fuß, sondern per Rad wollte ich den sächsisch-böhmischen Aussichtsberg erklimmen.

Der Wunsch nach entsprechendem Wetter war schon beim morgendlichen Blick aus dem Fenster dahin. Tiefhängende Wolken zierten den Himmel. Aber egal, die Sonne wird schon noch kommen! Erste Zweifel überkamen mich jedoch bereits bei unserer Anreise zur Talsperre Muldenberg. Die Temperaturanzeige hatte alle Hände voll zu tun, die korrekte, aber rapide sinkende Gradzahl anzugeben. Im hohen einstelligen Bereich pendelte sie sich bei der Ankunft im bekannten Flößerort ein. Na perfekt – und ich in sommerlicher Radfahrerkluft. Während unserer Tochter noch die letzten Kleidungsstücke angelegt wurden, um die ersten Meter als Familientour zurückzulegen, machte ich die Räder startklar.

Los ging’s. Entlang der Ortsstraße nach Hammerbrücke folgten wir auf den ersten hundert Metern dem Asphaltband. Genau das Richtige um warm zu werden und parallel auf all‘ die kindlichen Wieso-Weshalb-Warum-Fragen zu antworten. Doch da es spätestens nach der Abbiegung auf den Kammweg (Markierung: MTB-Route 8, Bikewelt Schöneck) viel Interessantes entlang des Wegesrands zu entdecken gab, wich die Unlust unserer Kleinen der Neugierde. Durch Wiesen und über bewaldete Hügelkuppen ging es sanft ansteigend, aber idyllisch über den Vogtland-Erzgebirgskamm dahin. Bis zum Pfaffenstein waren die ersten Kilometer geschafft. Unsere Tochter mussten wir unterdessen allmählich mit dem Versprechen nach „süßer Nahrungsergänzung“ am kommenden Rastplatz bei Laune halten. Doch dieses  Rastziel - der Schneckenstein - warf bereits seine Schatten voraus. Zumindest was die Geschwindigkeit anbelangte…. Im Schneckentempo traten die kleinen Kinderbeine die Waldwege empor. Nach gut einer Stunde hatten wir’s geschafft.  Mitten im dichten Nadelwald begrüßte uns der monströse, etwa 23 Meter hohe Felsklotz samt seinem Bewacher in tiefster vogtländischer Mundart



Noch bevor wir uns auf den Dialekt einstellen konnten, wurden wir mit allerhand Informativem versorgt. Seit 1727 ein Tuchmacher aus dem benachbarten Auerbach Topase am Schneckenstein entdeckte, wurden zwei Drittel des ursprünglichen Felsens abgetragen. Zudem sorgten rücksichtslose Plünderungen von „Hobbymineralogen“ für dessen vorsorgliche Einzäunung, die bis heute Bestand hat. Zum Ende der Lehrstunde bestiegen wir den Felsen und verschafften uns einen Eindruck aus 883 Metern Höhe. Unser Blick folgte der nahen Siedlung Schneckenstein, dem umgrenzenden Waldgebiet und seinen benachbarten Erhebungen auf deutscher und tschechischer Seite des Gebirgskamms.  
Ach ja, der Aschberg! Lag doch mein Ziel noch einige Kilometer Luftlinie entfernt. Also nix wie weg von dieser geologische Kultstätte, deren Vorkommen in Europa einmalig ist. Mehr noch: eine ähnliche Gesteinsform ist weltweit lediglich noch auf Tasmanien bekannt.
Während meine Frau und meine Tochter sich die Fundstücke des Topasfelsens und andere Gesteinsarten im nahegelegenen Mineralienzentrum betrachteten und gar in die benachbarte Zinnerzgrube Tannenberg hinabstiegen, folgte ich meinem Vorhaben.
Recht zügig setzte ich meine Fahrt nun über Teile der Kammloipe zur Winselburg und in Richtung Mühlleiten fort.

Ab der Loipenbrücke weist einem die MTB-Route 9 des Tourennetzes der Bikewelt Schöneck den Weg und brachte mich, die letzten Kehren schnaufend, hinauf zum fast tausend Meter hohen Gipfel. Vom Aussichtsturm, der mich die letzten Kraftreserven kostete,  erfreute ich mich luftschnappend am fantastischen Panoramablick hinüber zur Vogtland Arena, Deutschlands modernster Skisprungschanze, sowie über das Vogtland hinaus ins böhmische Erzgebirge und das Elstergebirge. Östlich zeichneten sich der Fichtelberg sowie der Keilberg (Klínovec) ab, wollte mir zumindest mein Nebenmann auf der Aussichtsplattform weiß machen. Auch wenn ich hinter Baumwipfeln als Kontrast nur ein einziges Himmels-Grau ausmachen konnte. Oder lag dies noch immer an meiner erschöpfungsbedingt  eingeschränkten Wahrnehmung? 



Unten angekommen stoppte mich die rustikale Aschbergalm an der Weiterfahrt auf die tschechische Seite des Berges. Bei einem kurzen Biergartenbesuch inklusive kühler Erfrischung genoss ich die wenigen Sonnenstrahlen und plante meine Route zurück zum Ausgangspunkt in Muldenberg.
Während die Weiterfahrt entlang der tschechischen Seite des Aschbergs sowie über Klingenthal hinauf nach Schöneck als ausdauerlastige MTB-Route lockte, entschied ich mich nicht ganz unfreiwillig für die kantigere Version entlang der wurzeligen Floßgrabenwege. Der Almwirt riet mir augenzwinkernd zu dieser Variante und ich hoffte insgeheim auf etwas abwärtsführenden Trailspaß. Während ich die ersten Retourkilometer zur Loipenbrücke in Mühlleiten wieder über die bekannten Waldwege zurücklegte, suchten meine Augen anschließend nach der prophezeiten kleinen Öffnung am Waldrand. Diese sollte den Einstieg ins Trailparadies ankündigen. Irgendwie musste ich sie verpasst haben, denn einige hundert Meter weiter passierte ich bereits das romantische Waldhotel Vogtland.
Doch dann ging mein Rad mit mir durch und jagte nach links über die Wurzelpfade entlang des alten Floßgrabens. Während diese kaum zwei Meter breiten Wasserstraßen vor gut 100 Jahren Scheitholz transportierten, fließen sie nun sanft dahin und gaben mir genüsslich die Richtung vor. Für die kurzen Ausblicke die sich immer wieder rechts und links auftaten, hatte ich kaum Zeit. Zu sehr war ich mit dem Wurzelteppich beschäftigt, der sich unter meinen Stollen breit machte und mir helle Freude bereitete.
Dankbar für diese Abwechslung trat ich abschließend die letzten Kilometer hinüber zur Staumauer der Talsperre Muldenberg, unserem ausgemachten Treffpunkt. Hier erwarteten mich meine beiden anfänglichen Begleiter bereits ebenso freudestrahlend. Und während des versprochenen Eisbechers in der Flößerstube an unserem Ausgangspunkt, erfahre ich sie nun alle, die Geschichten aus der Grube Tannenberg, zum Moosmann und vom versteinerten Mönch.

Das Vogtland hat so einiges zu bieten.

(© Fotos: Manuel Rohne)

Tipps am Rande

Routenmöglichkeiten:

MTB-Route 8 und 9 der Bikewelt Schöneck – Routen abrufbar im Tourenportal

Besichtigungsmöglichkeiten:

Vogtländisch-Böhmisches Mineralienzentrum & Besucherbergwerk Grube Tannenberg – Dienstag bis Sonntag ab 10 Uhr geöffnet
Sparkasse Vogtland Arena Klingenthal – täglich ab 10 Uhr geöffnet

Einkehrmöglichkeiten:

Aschbergalm – Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen ab 10 Uhr geöffnet
Waldhotel Vogtland – täglich geöffnet
Hotel & Gasthof Flößerstube – Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen ab 11 Uhr geöffnet